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Posted: Sat Oct 27, 2007 7:25 am
 Das is der Thread in dem ich Kapitel für Kapitel meinen Roman "Leviathan" veröffentlichen werde. Dieser ist nicht wirklich fertig und es werden Sicher einige Sachen umgeschrieben bevor er soweit ist dass er mir gefällt. Es kann sein das manche Sachen wie Kämpfe und sonstiges recht übertrieben und unrealistisch werden, das liegt daran das dieser Roman mehr oder weniger die Vorlage zu einem Manga werden soll. 1.) Mein Name Remi Leviathan ist kein Zufall sondern auch der Name meiner Hauptfigur. Sie heißt nicht so wie ich sondern umgekhert. Alles klar? 2.) zu den meisten Charas hab ich Bilder aber darum gehts beim lesen ja nicht, deshalb zeig ich erstmal nur wie Remi aussieht hier ein älteres Bild aber viel hat sich nicht verändert http://s118.photobucket.com/albums/o83/Adrian_Cold/?action=view¤t=Remirage.jpg3.) Komentare bitte in meinen Thread: Remi`s ThreadCharas(hab leider nicht von allen Bilder, wenn ich aber ein Bild habe veröffentliche ich es erst sobald die Figur vorkommt): Remi LeviathanEmilia Ashton/ Red (Battle Form)ZackRaymond HawkLegats Dronen / Puppet Army (die Gestalten mit den weißen Kampfanzügen)Ich weiß sie sind ein wenig trashig aber ich hab halt keinen Scanner deshalb sind es Fotos...von den meisten hab ich auch nur Skizzen sweatdrop
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Posted: Sat Oct 27, 2007 7:26 am
Prolog
Es war der 31. August 2063, wahrscheinlich der letzte richtig warme Tag in diesem Jahr. Und auch dieser neigte sich langsam dem Ende zu. Die Sonne hatte einen fast unnatürlich roten Ton angenommen während sie, mit zunehmender Geschwindigkeit, hinter Salems Skyline versank. Mein Leben war eine Lüge! Doch in Großstädten, auch in so verhältnismäßig kleinen wie Salem, nimmt von etwas so unbedeutend schönem, wie einem Sonnenuntergang, ohnehin niemand Notiz. Und schon gar nicht hier im Geschäftsviertel. Auf den Straßen herrschte reges Treiben. Von überall her strömten Geschäftsleute auf die Straßen und in den wohlverdienten Feierabend. Meine gesamte Existenz… Auch von dem Jungen, der hoch über den Köpfen der Masse stand nahm niemand Notiz. Das Bürogebäude, auf dem Raymond Hawk sich befand, war das höchste in der Umgebung. Es herrschte ein angenehm warmer Wind hier oben, was den kalten Schauer auf seinem Rücken nicht daran hindern konnte ihn frösteln zu lassen. Ich war lange genug ein Werkzeug! Ich weiß, dass es feige ist, aber…Rays rotblonde Haare wehten im Wind. Der kalte Blick seiner blauen Augen ruhte auf der Stadt, nein auf der Welt. Ja, Ray betrachtete diese Welt ein letztes Mal um von ihr Abschied zu nehmen. Er war sich bewusst, dass auf ihn, sollte ein Wesen wie er überhaupt eine Seele haben, nur die Hölle warten konnte. …das muss ein Ende haben! Mit diesem Gedanken schloss er die Augen, denn er hatte sich bereits sattgesehen am Diesseits. Für einen Sportler wie Ray, war es ein leichtes das Geländer, an dem er grade noch fast lässig gelehnt hatte, zu überspringen. An diesem Tag beendete Raymond Hawk sein Leben, mit einem Sprung, mitten in Salems Geschäftsviertel. Schnell breitete sich allgemeine Panik aus. Manch einem der Augenzeugen, mag das den Feierabend gründlich versaut haben.
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Posted: Sat Oct 27, 2007 8:28 pm
Kapitel 1
Evil Tidings
Irgendwo in weiter ferne ertönte kaum hörbar die Türklingel. Remi horte das Geräusch zwar, das durch die Finsternis zu ihm getragen wurde zwar, aber so richtig konnte er sich keinen Reim darauf machen. Erneut ertönte die Klingel. Und wieder konnte er nichts damit anfangen. Vielleicht wollte er das auch gar nicht. Es klingelte, diesmal war es lauter. Remi begann zu verstehen. Klingeln. Er wollte nicht, versuchte sich von dem lauter werdenden Geräusch abzuwenden. Dreimal schnelles Klingeln. Mit einem Mal konnte Remi sich nicht mehr wehren. Er war wach, und fast wäre er vom Sofa gefallen. Seine Katze, Morrigan schrak auf und zog sich unter das Sofa zurück. Wie lange hatte er hier gelegen? Remi konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal beim Fernsehen eingeschlafen war. Der Flachbildschirm an der Wand zeigte irgendeine politische Debatte. Doris Priest, Salems Bürgermeisterin hielt wieder eine ihrer Hassreden auf die Mutanten und sicherte sich damit wahrscheinlich auch noch eine weitere Amtsperiode. Wie ignorant diese Welt doch geworden war. Remi konnte sich auch nicht daran erinnernden Fernseher stumm geschaltet zu haben. Irgendetwas stimmte nicht. Erneutes Klingeln. „Q, wer ist an der Tür?“ Er erschrak vor den krächzenden Lauten die aus seiner Kehle kamen. Sein Schädel brummte. „Miss Lillian Conwell, Sir“, ertönte eine monotone, körperlose Stimme zur Antwort. Der Hauscomputer schaltete sofort auf die Kamera an der Vordertür und die Bürgermeisterin wurde von einer sehr gehetzt wirkenden Lilly verdrängt. Lilly? Was kann sie wollen? Remi hievte sich aus dem Sofa und torkelte schlaftrunken ins Vorzimmer hinaus. Im vorbeigehen bemerkte er, dass das rote Licht auf dem Anrufbeantworter hektisch blinkte. Darum würde er sich später kümmern. „Worauf wartest du, Q? Mach auf!“ „Ja, Mister Leviathan“ Er war schon fast bei der Tür angekommen, als das Schloss klickte und die Tür aufsprang. Draußen war die Sonne bereits untergegangen und Remi musste seine verschlafenen Augen fest zusammenpressen, um die Gestalt zu erkennen, die draußen im Schatten stand. Er hatte gerade den Mund für ein freundliches „Hi, Lilly!“ geöffnet, als sie ihm schon bei ihm war und ihn fest umarmte. Aus Überraschung hätte sich Remi fast, zum zweiten Mal an diesem Abend, hingelegt. Immerhin war Lilly Rays Freundin und Ray war Remis bester Freund. So etwas überschritt eindeutig das herzlich distanzierte Freundin-des-besten-Freundes-Verhältnis. „Lilly, was ist denn los?“ Sie antwortete nicht sofort. Stattdessen drückte sie sich noch fester an ihn und schluchzte leise in sein T-Shirt. Er konnte spüren wie es sich an seiner Brust langsam mit ihren Tränen voll sog. Remi fühlte sich machtlos, er war noch nie ein Meister darin gewesen die richtigen Worte zu finden. Und dass er nicht wusste was sie eigentlich so aufbrachte, machte die Situation nicht unbedingt einfacher. Also führte er sie ins Wohnzimmer und ließ sie auf dem Sofa Platznehmen, nachdem sie widerwillig von ihm abließ. Er ließ sich neben ihr nieder und betrachtete sie, während sie sich ein wenig beruhigte. „Remi, es ist…furchtbar…Ms Hawk hat angerufen…“ Lillys Stimme ging in einer Welle von Schluchzern unter und Remi verstand nicht. Was war mit Ms. Hawk, Rays Mutter? Nein, Remi wollte nicht verstehen. Eine dunkle Vorahnung machte sich in seinem Herzen breit, und wurde nur von einem Wunsch überschattet. Dem Wunsch nie aufgestanden zu sein, dem Wunsch die Türklingel so überhört zu haben, wie er das Telefon überhört hatte. In diesem Moment wünschte er sich sehnlichst in seine traumlose Dunkelheit zurück. Und ein Drink, oh ja ein Drink wäre jetzt gut. „Sie…hat gesagt…“ Fast hätte er sie angeschrieen Lilly, halt deine blöde Klappe! Ich will es nicht hören! Ich will es nicht wissen, denn es ist nicht wahr! Alles was ich will ist schlafen, hörst du! Aber er beherrschte sich. „…Ray ist tot!...Oh, Gott…“ Damit versagte ihre Stimme endgültig, und wieder klammerte sie sich an Remi. Aber das war jetzt egal. Alles war egal. Denn sie hatte ausgesprochen, was niemand hören wollte. Ausgesprochene Worte lassen sich nicht zurücknehmen. Die Nachricht war wie ein Schlag ins Gesicht. Jetzt wo aus dunkler Vorahnung, furchtbare Gewissheit geworden war, würde Remi wohl vorerst keinen Schlaf bekommen. Vielleicht auch für längere Zeit. Alles was er jetzt tun konnte war dasitzen und Lilly im Arm halten. Seine Welt bestand in diesem Augenblick nur aus der allzu vertrauten Bitterkeit, die er schon so oft im Leben verspürt hatte.
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Posted: Sun Nov 04, 2007 7:56 am
Gathering
Das Gebäude des Institutes war bei Nacht ein imposanter Anblick. Der Architekt hatte damals für das Hauptgebäude absichtlich gotische Elemente verwendet, was eher den Eindruck einer riesigen Kathedrale als einer Schule vermittelte. Trotz seines historischen Aussehens war das Salem Institut innen hochmodern eingerichtet, wahrscheinlich moderner als jede andere Schule des Landes. Die Studentenwohnheime die links und rechts des Hauptgebäudes Flügel bildeten, die zwischen sich den hübschen Garten der Schule einschlossen, der sich weit bis zur Straße erstreckte, wirkten, mit ihren quadratischen Fenstern und schmucklosen Fassaden dagegen etwa so Fehl am Platz, wie eine Brustwarze auf einer Hühnerbrust. Alles in allem bestand die Schule aus vielen schönen Elementen deren erfolgreiche Kombination gründlich in die Hose gegangen war. Eine Gestalt schritt über den geteerten Gehweg in Richtung des majestätischen Springbrunnens der im Zentrum des Gartens stand und diesen dominierte. Dieser war zwar nicht eingeschaltet aber er würde es sein wenn nächste Woche das neue Semester begann. Allana Elmont war beim Springbrunnen angelangt und atmete den Duft frisch gemähten Rasens ein. Jetzt, während der Sommerferien beschäftigte die Schule Gärtner die sich schon an Vorbereitungen für das neue Schuljahr gemacht hatten, während des Semesters übernahmen größtenteils freiwillige unter den Botanikstudenten diese Aufgabe. Es war fünf Minuten vor Mitternacht und die kleine blonde Frau sah noch einmal zum mächtigen Gebäude hoch dass verlassen vor ihr stand. Der Anblick erfüllte sie mit unbändigem Stolz. Und wieso auch nicht, dieses würde ihr zwanzigstes Jahr als Direktorin dieser Schule, und vorher hatte sie sieben Jahre lang selbst hier unterrichtet und war den Senatorenfreunden ihres Vaters in den Arsch gekrochen. Sie hatte viel getan um da stehen zu können wo sie jetzt stand und es war wohl auch ohne Zweifel ihrem Einsatz und ihren Verbindungen in die höchsten Kreise zu verdanken, dass das Salem Institut zur Nummer eins unter den Bildungseinrichtungen dieses Landes aufgestiegen war. Allana sah sich um. Sie schien noch allein zu sein. Gott, wie ich es hasse wenn man mich warten lässt, dachte sie, während sie mit verschränkten Armen dastand. Die letzten Tage waren sehr warm gewesen, weshalb sie nur einen knielangen Rock und eine leichte Bluse anhatte, doch der frische Wind der gerade ging war kühl und trug den Geruch von Regen mit sich. Jeder der Allana Elmont nicht kannte hätte sie wohl für eine in diesem Moment für eine hilflose ältere Dame gehalten. Sie war nicht besonders groß, ihre Haltung und ihr Styling strahlten die Form von Würde aus, die nur ältere Damen ausstrahlten, die Zeit ihres Lebens einen gewissen Wohlstand genießen durften, und freundlich wirkende Gesicht war mit Fältchen übersehen. Kurz gesagt, wirkte Allana wie das nette Tantchen von nebenan. Doch bekanntlich kann der sogenannte erste Eindruck oft sehr trügerisch sein. Manch einer hatte es schon schwer bereut diese Frau unterschätzt zu haben. Es war jetzt fast Mitternacht und immer noch war niemand auf dem Areal zu sehen. Allana zupfte ungeduldig an ihrer Bluse, fast schon rechnete sie damit auch dieses Mal vertröstet zu werden obwohl es das erste Mal war, dass tatsächlich ein Treffen vereinbart worden war. Sie blickte auf die Uhr, eine altmodische mit Zeigern, und sah gerade noch wie der Minutenzeiger den Letzten schritt machte und sich am Obersten Punkt des Ziffernblattes mit dem Stundenzeiger traf. Es war Mitternacht und immer noch niemand in Sicht, offenbar hielt der Orden nichts von Pünktlichkeit. „Miss Elmont?“, es war die Stimme einer jungen Frau und dem Klang nach zu urteilen stand diese direkt hinter Allana. Wie hatte sie es nur geschafft sich auf dem offenen Gelände so anzuschleichen. Allana war kaum merklich zusammengezuckt als sie die Stimme hörte aber jetzt hatte sie sich wieder im Griff und drehte sich zu der Person hinter ihrem Rücken um. Erstaunt musste sie feststellen, dass es drei Personen waren, die hinter ihr standen. Es war unglaublich, Allana hatte sie weder kommen gehört noch gesehen. „Ja?“, ihre Stimme war jetzt wieder fest und sicher: „Ich hatte schon Angst, sie würden nicht erscheinen.“ Die Junge Frau antwortete. Sie war nicht zusehen, denn ihr ganzer Körper war in eine schwarze Kutte gehüllt und ihr kopf von einer Kapuze verdeckt. Allana musste fast lächeln darüber, denn weil sie die Kutten immer für ein Klischee gehalten hatte. Die Zwei Begleiter der Jungen Frau, die beiderseits ein Stück hinter ihr standen, schienen Männer zu sein. Auch deren Köpfe wurden von Kapuzen verdeckt, jedoch von weißen, und sie trugen keine Langen Kutten sondern etwas dass an die Kampfanzüge des Militärs erinnert hätte, wäre es nicht grau gewesen. „Das Legat hat Ihnen Hilfe in Ihrer Angelegenheit zugesichert. Sie hätten sich darauf verlassen können, dass man Sie unterstützt.“, Sie nahm ihre Kapuze ab und enthüllte den Kopf eines Mädchens, dass allerhöchstens achtzehn war. Sie hatte ebenmäßige Züge und Augen die keine Emotion erkennen ließen. Das Haar war stufig geschnitten und knallrot gefärbt. Jetzt konnte auch Allana ihre Überraschung nicht verbergen: „Man hat mir gesagt das Legat schickt eine seiner Top-Agenten, aber sie sind doch viel zu jung.“ „Ich bin eine Top-Agentin des Legats. Meine Bezeichnung ist DEM03, oder Red wenn ihnen das lieber ist, aber während meines Aufenthalts in Salem bin ich Emilia Ashton, ein Mädchen aus gutem Haus und eine Schülerin ihrer Schule. Die nötigen Papiere liegen morgen früh auf Ihrem Schreibtisch und dann besprechen wir auch alles Weitere.“ „Gut, ich glaube Ihnen schon, dass sie wissen was sie tun. Hören Sie, es passieren merkwürdige Dinge in dieser Stadt. Leute verschwinden oder springen von Häusern und das wäre mir alles egal wenn nicht alles irgendwie mit meiner Schule zu tun hätte. Ich kann so eine Art von Publicity nicht gebrauchen. Eine Polizistin war hier und hat Fragen gestellt, und ich nehme an es ist nur eine Frage der Zeit bis auch die Presse auf uns aufmerksam wird. Ich wünsche mir von Ihnen, dass Sie herausfinden was hier los ist und egal was es ist, sie werden es diskret aus der Welt schaffen! Haben wir uns verstanden?“ „Aber natürlich Miss Elmont.“ „Freut mich zu hören. Dann bis morgen.“, mit diesen Worten und einem Lächeln, dass strahlender und falscher nicht sein hätte können, hatte Allana sich auch bereits abgewendet und war im Begriff das Gelände zu verlassen. Die Agentin sah ihr nach, dann drehte sie sich zu einem ihrer Begleiter um. „Ihr werdet die Gegend erkunden und sucht mir auch verlassene Gebäude in der Umgebung, wo sich noch keine Obdachlosen eingenistet haben. Wir brauchen eine Einsatzzentrale.“ Die beiden Gestalten in den weißen Kampfanzügen nickten, drehten sich auf dem Absatz herum und liefen in entgegengesetzten Richtungen davon. Die Red setzte Ihre Kapuze auf und zog sich ebenfalls zurück.
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Posted: Wed Nov 07, 2007 5:20 am
Inhumation
Nicht sehr viele Menschen waren zu Ray’s Beerdigung erschienen. Wahrscheinlich war es auf den strömenden Regen zurückzuführen, dass nur der der engste Kreis anwesend war. Remi selbst war in seinem Anzug bereits nass bis auf die Knochen. Ist vielleicht auch besser so, dachte Remi als die Predigt sich dem Ende zuneigte und der Sarg in die Erde gesenkt wurde, denn so siehst du wem du wirklich etwas bedeutet hast. Kaum zu glauben, dass sein bester Freund in dieser Holzkiste lag, präpariert damit er so aussah als würde er nur schlafen. Für einen kurzen Moment hatte Remi das Bild im Kopf wie Ray im Sarg lag, während er hinuntergelassen wurde. Er sah aus wie vorhin, als er in der Kapelle aufgebahrt war, damit alle sich von ihm verabschieden konnten, aber in Remis Vision hatte er die Augen offen und starrte ihn direkt durch den hölzernen Deckel des Sarges an. Remi verdrängte den Gedanken wieder und sah sich in der kleinen Gemeinde nach Tabitha Hawk, Ray’s Mutter um. Er hatte sie nicht gesehen seit es passiert war, und es wäre ungewöhnlich wenn sie wirklich nicht hier wäre. Er konnte sie nicht entdecken, aber stattdessen entdeckte er Lilly. Sie trug ein schwarzes Kleid und ihre nassen blonden Haare hingen ihr ins Gesicht. Sie sah aus, als könnte sie jeden Moment umkippen. Der Pfarrer hatte seine Rede beendet, der Sarg war unten angekommen, einen Moment blieben alle ruhig stehen, in manchen Fällen wohl auch nur der Form halber, dann begannen die Ersten schon sich abzuwenden. Wahrscheinlich stiegen die jetzt in ihr Auto und fuhren davon, ohne einen wahren Gedanken mehr an Raymond Hawk zu verschwenden. Auch Remi setzte sich in Bewegung, er wollte zu Lilly. Dabei stieß er mit einem Jungen Mann zusammen der gerade gehen wollte, ein Typ etwa in Remis Alter mit graublauen Augen und offensichtlich gefärbten weißen Haaren die er zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte. Remi hatte eigentlich gedacht alle Freunde von Ray zu kennen, aber den hatte er noch nie gesehen. War wohl auch nicht so wichtig. Womöglich nur ein Cousin dritten Grades der am anderen Ende der Welt wohnte oder so etwas in der Art. „Sorry, Mann!“, murmelte der Junge und ging seines Weges. Als Remi bei Lilly ankam hatte er ihn bereits vergessen. Zuerst schien sie gar nicht zu merken, dass er neben ihr stand. Doch sie hatte ihn bemerkt. „Hallo Remi. Hast du Miss Hawk irgendwo gesehen?“, ihre Stimme klang fest aber sie sah ihn nicht an während sie sprach. „Nein, und dabei wollte ich mit ihr reden.“, dabei sah er sich noch mal um. Lilly zeigte ihren Schmerz offen. Sie hatte geweint und bot einen bemitleidenswerten Anblick. Remi fragte sich ob sie schon immer so klein und zerbrechlich ausgesehen hatte. Doch trotz der Tatsache, dass es ihr ohne Zweifel dreckig ging, konnte Remi sie nur beneiden. Er war schon lange nicht mehr in der Lage Tränen zu vergießen. Das letzte Mal hatte er geweint als sein Vater starb und das war acht Jahre her. Zu viele Tränen hatte er damals vergossen, so viele, dass sie irgendwann versiegt waren. Er war dazu verdammt im Stillen zu trauern. „Wir sollten uns vielleicht auch langsam auf den Weg machen Lilly. Wenn du länger im Regen stehst erkältest du dich.“, er legte ihr einen Arm um die Schulter, und wollte sie zu seinem Auto bringen: „Komm ich fahr dich nach Hause.“ Doch Lilly blieb stehen. Er konnte sehen wie sich ein bitteres lächeln auf ihren Lippen ausbreitete: „Weißt du Remi, ich bin wütend.“ Er wusste nicht was er sagen sollte. „Ich hasse mich dafür, aber es ist die Wahrheit. Ich bin stinksauer auf Ray.“, zum ersten mal drehte sie sich zu ihm um. Ihre Augen waren rot vom Weinen: „Wie konnte er das tun? Wie konnte er sich einfach so umbringen, ohne jemandem zu sagen warum? Egal welches Problem er hatte, er hätte mit mir reden können.“, sie wurde immer lauter: „Wir hätten es gelöst. Also warum, Remi? Warum hat er keinem von uns etwas gesagt? Warum!?“ „Ich weiß es nicht.“ Er bemühte sich ruhig zu sprechen: „Darüber denke ich schon die ganze Zeit nach.“ Lilly drehte sich noch einmal zu der Grübe um in der jetzt der Sarg lag und sag genau dort hin wo Rays Kopf liegen musste. Sie sprach jetzt mit einer Stimme die zitternd und heiser war: „Was hast du dir dabei gedacht mich zu verlassen? Was hast du damit erreicht, du Idiot?“ Sie schien zu warten als würde sie hoffen, dass Ray auf wundersame Weise aufersteht um ihr zu erklären, warum er so ein Idiot war. Als das jedoch nicht geschah drehte sie sich zu Remi um: „Entschuldige meinen Ausbruch. Lass uns bitte einfach gehen.“ „Ja, das wäre wohl besser.“, er führte sie vom Grab weg: „Es tut mir leid, dass ich dir kein Trost bin, Lilly. Ich wusste noch nie was in solchen Situationen zu sagen ist.“ „Das macht nichts. Du könntest es ja ohnehin nicht ändern. Hauptsache du bist da. Du bist der einzige mit dem ich darüber reden kann, der einzige der Ray so geliebt hat wie ich.“ Diesmal lächelte sie ihn an, es war ein freundliches Lächeln, wie er es von Lilly schon oft gesehen hatte, wenn sie lächelte, lächelte man zurück, man konnte nicht anders. Nur der Schmerz der sich dahinter verbarg war neu. Ob er je wieder ihr altes Lächeln sehen würde. Während sie über den Rasen zum Wagen gingen, bemerkte keiner von ihnen, die Frau, die etwas Abseits im Schatten einer Weide stand und sie beobachtete.
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Posted: Mon Nov 12, 2007 2:39 am
Visitor
„Emila Ashton, dein Name ist Emilia Ashton.“, die Red saß am Computer in ihrer Einsatzzentrale. Es war ein verlassenes Lagerhaus der Firma Red-Corp. Witziger Zufall, dachte sie. Die Red-Corp war vor ein paar Jahren noch der führende Hersteller im Bereich der Elektronik. Die Firma war jedoch untergegangen als der damalige Besitzer gestorben war, weil sein Erbe zu jung war um eine Firma zu leiten. Emilia wollte einfach nicht einfallen wie der Name des Leiters der Red-Corp gewesen war. Auf jeden Fall war die Halle als Einsatzzentrale Perfekt. Sie lag etwas außerhalb der Stadt an einer Landstraße, die seit dem Bau der unterirdischen Speedways sowieso keiner mehr benutzte. Dennoch konnte Emilia den Weg vom Salem Institut und zurück in wenigen Minuten zurücklegen. Außerdem hatte die Halle ein großes Tor für Fahrzeuge und da hier früher Elektronische Geräte gelagert wurden, war sie auch ausreichend vor Feuchtigkeit geschützt, was für Emilias Geräte wichtig war. Sie hatte Ihre Computerstation an einer Wand aufgestellt und recherchierte den politischen und wirtschaftlichen Hintergrund der Stadt, als sie hinter sich einen Schritt hörte. Es war unmöglich, dass jemand an den Dronen vorbeikam, die beiden Gestalten in den weißen Kampfanzügen hielten Wache. Mit einer blitzschnellen Bewegung griff sie zu der Waffe, die neben ihr am Tisch lag, fuhr herum und wollte gerade auf die Stelle zielen aus der das Geräusch gekommen war. Noch ehe sie die Bewegung ganz vollzogen hatte, hatte sich schon eine andere Hand um ihren Unterarm geschlossen, doch auch das war nicht so wichtig. Emilia kannte fünfzehn Arten die Hand des Eindringlings von dort zu entfernen, bei weniger als der Hälfte davon wäre sie noch an seinem Arm. „Ich hätte vorher anrufen sollen“, sagte der Eindringling, auf dessen Nase gerade die Mündung von Emilias Waffe zeigte, während er seinen Griff um Ihren Unterarm lockerte: „Ruhig Red, ich wollte nur sehen wies läuft.“ Er ließ ein breites Grinsen sehen. „Zack?!“, sie nahm die Waffe runter und verpasste ihm einen Stoß gegen die Schulter: „Was zum Teufel machst du hier? Ich brauch keinen Babysitter.“ „Während einer offiziellen Mission heißt das immer noch Commander Zack“, geräuschvoll setzte er sich auf einen Stapel alter Paletten: „Hübsch hast du’s hier.“ „Als Einsatzzentrale ist es perfekt aber wenn ich länger bleibe sollt ich Vorhänge kaufen. Meinst du das geht übers Spesenkonto des Legats?“, es war eindeutig ein Witzaber sie verzog dabei keine Miene, sondern musterte Zack von oben bis unten. Emilia hatte inzwischen schlichte Jeans und ein Tank Top der Marke Stripes an, was zu Ihrer Tarnung gehörte. Auch Zack war in Zivil. Seine schulterlangen Haare waren blau. Emilia wollte wissen, was er hier tut: „Also Commander, was kann ich für Sie tun?“ „Ach weißt du, Ich hab mir einfach Sorgen gemacht. Ich meine, da das ja deine erste Untercovermission ist und…“ „Was ist los? Vertrauen die alten Männer mir nicht mehr?“, sie war jetzt wütend. Ihre Kompetenz stand doch immer außer Frage. „Reg dich ab, ich wollt nur sehn wie es dir geht. Die alten Männer haben keinen Grund sich nicht auf dich zu verlassen, immerhin hast du schon mehr Missionen absolviert als die meisten Agenten im Ruhestand, aber eben noch keine wie diese. Du bist wie ich, Red. Wir beide sind Killermaschinen, keine Undercoverspione. Du wurdest nur wegen deines Alters ausgewählt.“ „Ich krieg das hin. Ich meine, ich hab schon schlimmeres gemacht. Wahrscheinlich ist hier nur irgendein Spinner an der Schule, der Menschen verschwinden lässt.“ „Es gibt andere Arten eine Mission in den Sand zu setzen als zu sterben.“ Er sag sie mit seinen kalten Augen an: „Du bist es nicht gewohnt unter Menschen zu leben. Ich will dir nur sagen, dass du vorsichtig bist.“ „Danke für deine Sorge Zack, aber ich komm klar.“, Mit diesen Worten wandte sie sich wieder ihrem Computer zu. „Gut wenn du das denkst.“, er stand auf: „Ich erwarte regelmäßig Berichte von dir.“ Zack sah noch einmal zu Emilia und machte sich auf zu gehen, als sie sich plötzlich umdrehte. „Zack?“ „Ja?“, er hatte nicht erwartet, dass es noch etwas zu besprechen gab. „Wie hieß noch mal dieser Unternehmer, der vor Jahren hier in der Stadt ums Leben kam? Der, der die Red-Corp geleitet hat.“ Zack überlegte: „Ist das wichtig?“ „Ich recherchiere nur gerade wirtschaftliche und politische Geschichte von Salem. Vielleicht nützte es bei dieser Mission etwas.“ „Er hatte diesen eigenartigen Namen. Leviathan hieß er. Jonathan Leviathan.“
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Posted: Tue Nov 13, 2007 12:46 pm
Casualty
Remi Leviathan steuerte seinen Wagen auf den Freeway, als die Sonne bereits im Begriff war unterzugehen. Vor einigen Minuten hatte er Lilly zu Hause abgesetzt. Eigentlich wohnte Lilly alleine in Salem, aber Remi war es lieber wenn sie jetzt unter Menschen war, die sie sich um sie kümmerten. Das war der Grund warum er sie überredet hatte sie solle bei ihren Eltern in New York übernachten. Der Radiosprecher faselte ohne Punkt und Komma: „Guten Abend Leute! Der letzte Song war natürlich die neue Hitsingle ,Why don´t you die` von unserer neuen Lieblingsband Lycantropy. Vergesst ja nicht bei unserem Gewinnspiel mitzumachen, wo es Konzertkarten zu ergattern gibt. Aber mal was ganz anderes: Salem’s Bürgermeisterin Doris Priest teilt mit ihrer Anti-Mutanten-Kampagne auch weiterhin die Bevölkerung in zwei Lager. Anlässlich ihrer morgigen Rede in der Stadthalle wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft, da mit Ausschreitungen von beiden Seiten zu rechnen ist. Ich denke man muss verrückt sein wenn man…° Remi schaltete das Radio aus. Er hatte Migräne und dieser Typ erzeugte mit jedem Wort ein schmerzhaftes Pochen in seinem Gehirn. Unter normalen Umständen wäre Remi wohl über die unterirdischen Speedways gefahren und wahrscheinlich drei Mal schneller wieder in Salem gewesen, aber eine kleine Spritztour über die ruhigen Straßen an der Oberfläche war genau richtig um den Kopf freizukriegen. Remi liebte sein Auto, ein Genesis 360 RX, eines der letzten Autos die noch auf Reifen fuhren. Das edle Stück war 2025 übers Band gelaufen und inzwischen ein Oldtimer. Remi hatte immense Summen dafür ausgegeben, das der Wagen technisch auch mit den meisten modernen Autos mithalten konnte. Jedoch stellte sich heute nicht das befreiende Gefühl, beim Fahren ein, das er sich erhofft hatte. Immer wieder drifteten seine Gedanken zu Ray und dem Gespräch, das er vorhin mit Lilly geführt hatte ab. Sie hatten vor ihrer Tür gestanden und sich unterhalten während Remi eine rauchte. Er wusste, dass Lilly nichts von dieser Angewohnheit hielt, aber sie hatte ihn diesmal nicht darauf angesprochen. „Du brauchst keine Schuldgefühle zu haben weil du wütend bist.“, hatte er gesagt. „Das tu ich aber“, sie hatte an der Hausmauer gelehnt und auf ihre Füße gestarrt. „Weißt du“, fuhr er fort: „Als mein Vater ums Leben kam war ich auch wütend. Ich war sauer auf ihn, weil er mich und meine Mutter verlassen hatte, obwohl er nichts dafür konnte. Es war ein Unfall. Dennoch war ich sauer. Und auf meine Mutter war ich auch sauer. Sie ging an seinem Tod zu Grunde und überließ mich alleine meinem Schmerz.“ „Du warst zehn Jahre Alt, Remi…“ „Das ändert nichts. Wenn du wütend bist, dann sei wütend. Solang es hilft damit fertig zu werden ist es okay.“ Lilly hatte genickt und wieder Tränen in den Augen gehabt. Sie hatten sich zum Abschied umarmt und er war in sein Auto gestiegen. Und nun konnte er nur grübeln, wie er es schon immer getan hat. Für einen Kerl, der nie die richtigen Worte findet war ich wohl gar nicht so übel. Wenn ich nur selbst auf meine Ratschläge hören würde… Remis Gedanken wurden unterbrochen als er in etwa einer Meile Entfernung auf ein seltsames Licht am Straßenrand aufmerksam wurde. Es war eindeutig, dass es sich dabei um Feuer handelte. „Q, was brennt dort am Straßenrand“ „Mit 99r; Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um ein verunglücktes Fahrzeug.“, antwortete der Bordcomputer. Q war ein Computersystem welches alle Abläufe in Remis Haus steuerte, aber auch ständig mit dem Bordcomputer des Autos in Verbindung stand. Remi gab Gas. Während er der Unfallstelle näher kam konnte er langsam erkennen worum es sich handelte. Die Straße war wegen mangelnder Benutzung und Wartung verwahrlost und wies an einigen Stellen Schlaglöcher auf, jedoch verlief sie fast gerade und war übersichtlich. Abseits der Straße Befand sich nur offenes Gelände soweit das Auge reichte. Es war kein Unfallgrund ersichtlich, aber es war offensichtlich, dass der Wagen sich öfter überschlagen hatte. So was dürfte mit den ganzen Sicherheitssystemen gar nicht passieren, dachte Remi als er seinen Wagen mit quietschenden Reifen zum Stehen brachte. Er war schon aus dem Wagen gesprungen als er rief: „Q, verständige den Notruf!“ Rennend legte er die 20 Meter zurück die Zwischen dem brennenden Wrack und der Straße lagen. Kurz bevor er angekommen musste er jedoch bremsen als ihm die Hitze der Flammen ins Gesicht schlug. Remi schirmte seine Augen ab und spähte in den Wagen. Zwei Insassen waren zu erkennen, eine Person am Steuer und eine weitere am Rücksitz, offensichtlich ein Kind. Einen kurzen Moment schwankte er, dann lief er zur hinteren Tür und packte den Türgriff, welcher sich augenblicklich in seine Handfläche brannte. Remi biss die Zähne zusammen und zog so fest er konnte an der Tür. Am Rande bekam er noch mit wie die Tür aus den Angeln fiel, aber da hatte er bereits den Kopf in die Kabine gesteckt, in der die Luft so heiß war, dass Remi spüren konnte wie sich seine Lunge damit füllte. Er packte das Kind, ein Mädchen und warf während er sie hinauszog, wozu er den Gurt öffnen musste, noch einen Blick auf die Mutter die am Steuer saß. Sie war beim Überschlagen des Wagens mit dem Kopf gegen die seitliche Scheibe geknallt, auf der sich ein gezackter Riss und ein paar Blutflecken befanden. Remi konnte das Gesicht der Mutter nicht sehen aber im letzten Moment als er seinen Kopf aus dem Wagen zog sah er noch wie eine große Brandblase auf ihrer Wange platzte, ein Bild das ihn noch in seinen Träumen verfolgen sollte. Mit dem Mädchen in seinem Arm lief er zurück zu seinem Auto um sie dahinter in Deckung zu bringen. Er konnte nur hoffen, dass sie am Rücksitz nicht so viel abbekommen hatte. Remi bückte sich hinunter um sie abzulegen, das Adrenalin verdrängte inzwischen jeden klaren Gedanken. Plötzlich regte sie sich in seinem Arm. Sie hatte langes schwarzes Haar und als sie Ihren Kopf nach oben drehte entblößte sie ihr glücklicherweise unversehrtes Gesicht. Sie begann zu reden mit einer Stimme die an die eines Betrunkenen erinnerte. Mit ziemlicher Sicherheit stand das Mädchen unter Schock: „Da war ein Mann auf der Straße. Er hat uns erschreckt.“ Remi hatte keine Zeit sich das anzuhören, er musste wenigstens versuchen noch etwas für die Mutter zu tun. Er wollte aufstehen aber sie klammerte sich an ihn und rettete ihm damit wahrscheinlich das Leben. „Meine Mom! Wo ist sie?!“ Ihre Augen wurden groß. „Ich hol sie aber du musst mich jetzt los lassen.“ Er befreite sich aus ihrem Griff und machte sich daran zum Wrack zurückzulaufen. Er hatte gerade die halbe Strecke zurückgelegt als der Wagen mit einem unbeschreiblichen Knall hochging. Remi schloss die Augen als er von der heißen Druckwelle erfasst wurde. Irgendetwas hartes, womöglich die Tür, die er selbst aus den Angeln gerissen hatte traf ihn hart an der Stirn und als er auf der anderen Straßenseite im Graben landete war er längst nicht mehr bei Bewusstsein.
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Posted: Sun Nov 18, 2007 9:52 am
Pandemonium
Der beißende Geruch von frisch gemähtem Gras stieg ihm in die Nase. Durch seine Augenlieder konnte er das warme Sonnenlicht sehen und irgendwo in der Nähe war das Geräusch von fließendem Wasser zu hören. Einen Moment wollte er noch liegen bleiben und die warmen Sonnenstrahlen auf seiner Haut spüren. Es war so angenehm. Direkt neben ihm sprach jetzt eine ruhige Stimmen, die sehr vertraut klang: „Du weißt, dass du nicht hier sein solltest.“ Remi schrak auf. Er lag auf einer Decke inmitten einer unendlichen Wiese. Alle möglichen bunten Blumen wuchsen hier. Und die schönsten Schmetterlinge, die Remi je gesehen hatte flatterten um ihn Herum. Etwas abseits wo der Bach friedlich an ihm vorbeiplätscherte stand eine riesige Trauerweide. Ihre Rinde war von tiefen Furchen durchzogen, die hohes Alter ausstrahlten, doch das Blätterwerk war von unglaublich gesundem Grün. Remi konnte sogar Forellen zwischen den Wellen erkennen. Als er sich aufsetzte sprang sogar eine hoch in die Luft und landete mit einem hohlen „Plopp“ wieder im Wasser. Auf der Decke auf der er saß lag auch ein Picknickkorb und eine Person saß Remi gegenüber und drehte ihm den Rücken zu. Wo war er? nirgendwo in der nähe von Salem oder New York, war die Natur so rein und unberührt. Hatte er geschlafen? Er fühlte sich so. Diese Fragen hätte er gestellt aber beim Anblick seines Gegenübers vergaß er sie wieder. „Ray, du bist es! Ray!“ Er wollte sich nach vorne beugen und Ray auf die Schulter greifen um sicherzugehen, dass er es war. „Komm nicht näher!“, diesmal klang Ray’s Stimme schroff und Remi hielt inne. „Das ist doch ein Traum, oder?“ Remi sah sich noch einmal um, geblendet von den Eindrücken um ihn herum. Auch Ray schien sich umzusehen: „Kann schon sein, aber darüber wollen wir jetzt nicht sprechen. Du hast ein Versprechen zu erfüllen.“ Remi wusste nicht wovon er sprach: „Ich habe kein Versprechen gegeben.“ „Stimmt, das hast du nicht. Aber du wirst es einhalten müssen. Das Leben, das du führst hätte ohne das Versprechen nie stattgefunden.“ „Wovon Redest du? Ich verstehe kein Wort. Und sieh mich gefälligst an wenn ich mit dir rede!“ Ray tat nichts dergleichen. Stattdessen begann er zu lachen: „Natürlich verstehst du es nicht. Noch nicht aber es ist nicht meine Aufgabe, dir Dinge zu erklären. Du musst einiges in dieser Welt erledigen bevor du dein Versprechen einhalten kannst und er wird dir dabei helfen.“, Ray hob den Rechten Arm und deutete auf die andere Seite des Baches. In etwa hundert Metern Entfernung schien auf Der Wiese so etwas wie ein Feuer ausgebrochen zu sein, doch wenngleich es wie Feuer aussah war es schwarz. Es war so als würde es jegliches Licht in seiner Umgebung einfach in sich aufsaugen. Remi bemerkte, dass das Wasser im Bach gar nicht so sauber war wie er anfangs gedacht hatte und jetzt wo er hin sah trieb ein gerade ein toter Fisch vorbei. „Was zur Hölle ist das?“ „Vielleicht der schwarze Mann Remi, vielleicht auch einfach nur du.“ Remi wendete sich von den schwarzen Flammen ab und blickte erschrocken zu Ray der inzwischen nicht mehr mit dem Rücken zu ihm saß. Es war eindeutig Ray, so wie Remi ihn kannte: „Das da kann doch unmöglich ich sein.“ Ein Tropfen Blut sickerte aus Ray’s Auge und lief seine Wange hinab wie Träne: „Die Zeit wird knapp. Du kannst nicht länger hier bleiben. Es ist zu schwer diese Fassade aufrechtzuerhalten.“ Die Schmetterlinge waren verschwunden und über den Blumen kreisten jetzt träge schwarze Käfer. Remi konnte gerade noch angewidert feststellen wie ein Tier, das wäre es nicht weiß gewesen, ein Blutegel hätte sein können über den Rand des Picknickkorbes kroch und mit einem schleimigen Geräusch auf die Decke plumpste, wo es auf dem Rücken lag und sich wand als hätte es Schmerzen. „Das ist alles nicht echt“, schrie Remi, während der klare blaue Himmel sich über ihm immer dunkler färbte. „Natürlich nicht.“, Ray der inzwischen ganze Sturzbäche von Blut weinte, während seine Haut sich grau färbte und rissig wurde: „Selbstmörder kommen nicht in den Himmel. Du musst nun gehen, ich wollte dir diesen Anblick ersparen.“ Die Blumen um sie herum wurden welk und Verfaulten, die Weide war nun kahl und ihr trockener Stamm bog und krümmte sich unnatürlich, Fast konnte Remi das ächzen hören. Alles um sie herum war tot, bis auf diese widerlichen Käfer die überall herumflogen und sich in den faulenden Pflanzen wanden. Das Wasser im Bach war nun vollkommen schwarz so wie die unnatürlichen Flammen die jenseits davon loderten. „Nein ich gehe noch nicht!“ schrie Remi: „Nicht bevor du mir gesagt hast warum du dich umgebracht hast.“ Das Ding, das einmal Ray gewesen war sah Remi aus leeren schwarzen Augenhöhlen an: „Ich war nie der für den du mich hältst. Es tut mir Leid, ich wusste es selbst nicht.“ Auch Remi blutete nun aus einer schmerzenden Wunde an seiner Stirn und seine Handflächen brannten wie Feuer. Langsam begann Remi sch an den Autounfall zu erinnern. Ray sprang auf und schrie: „Du musst jetzt gehen!“ dabei ergoss sich ein Schwall der weißen Blutegel aus seinem fast Zahnlosen Mund auf die Decke. Dort wo sie landeten begann die Decke unter ihnen zu verfaulen. Er stieß Remi von sich weg und dieser hatte das Gefühl zu fallen. Mit einem Ruck schien er diese Welt zu verlassen und in die Realität zurück zu kehren. Er konnte gerade noch feststellen, dass er sich in einem Krankenwagen befand, bevor er wieder das Bewusstsein verlor. Irgendwo in weiter Ferne rief jemand: „Wir haben wieder einen Puls!“
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Posted: Wed Nov 21, 2007 3:22 am
Interrogation
Die Sonne ging gerade auf als Laura Johnson ihren unauffälligen, schwarzen Dienstwagen vor dem Krankenhaus abstellte. Sie stieg aus und die Autotür schloss automatisch hinter ihr. Als sie ein Kind war, war Salem noch eine größere Kleinstadt, doch inzwischen konnte man es getrost als kleine Großstadt bezeichnen, mit allen positiven und negativen Aspekten die diese Entwicklung mit sich brachte. Um diese Zeit war hier im Stadtzentrum bereits viel los auf den Straßen. Die gelben Taxis dominierten die Straßen, noch nicht so wie sie es in New York taten, aber sie waren eindeutig auf dem Vormarsch. In vielen Geschäften auf der gegenüberliegenden Straßenseite herrschte bereits Betrieb. Nicht weit von hier waren die Trinity Towers in denen sich der Hauptsitz von HyperSys befand. Dass das größte Elektronikunternehmen der Welt seinen Sitz in dieser Stadt hatte war wohl zum großen Teil dazu beigetragen, dass diese ihren wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Und dann war da noch die Red-Corp gewesen. Jahrelang hatten sich die die beiden Firmen die Monopolstellung in diesem Wirtschaftszweig geteilt, doch dann war der Geschäftsführer der Red-Corp, Jonathan Leviathan gestorben und das Unternehmen war zu Grunde gegangen. Es war Remi Leviathan, der Sohn genau dieses Geschäftsführers, mit dem Laura heute ein Wörtchen zu reden hatte. Sie stellte den Kragen ihres Mantels auf um sich vor dem scharfen Wind zu schützen, der durch die Straßen fegte und lief die Stufen zum Haupteingang des Krankenhauses hinauf. Die Türen öffneten und die große dunkelhaarige Polizistin betrat die Eingangshalle. Schwestern und Ärzte liefen in den Gängen umher und ein paar Menschen Saßen rechts des Eingangs, bei den Kaffeeautomaten, auf den Stühlen des Warteraums. Die Meisten davon sahen mindestens so müde aus wie Laura sich fühlte. Sie hatte bereits eine 24-Stunden-Schicht hinter sich und das Gefühl beim bloßen Anblick von Kaffee drehe sich ihr Magen um. Zielsicher steuerte Laura Johnson die Rezeption an und wendete sich an die kleine blonde Dame die dort saß und ihr ein künstliches Lächeln entgegenstrahlte: „Detective Laura Johnson. Ich habe mit Dr. Miller telefoniert.“ Unglaublich, aber wahr, das Lächeln wurde noch breiter. Laura überlegte, ob diese Frau sich darüber im Klaren war, wie dämlich sie aussah. Einen Moment lang hatte sie das Bild im Kopf, wie die Schwester immer breiter lächelte bis ihre Mundwinkel sich am Hinterkopf trafen und ihre Schädeldecke einfach abfiel. „Natürlich. Ich wurde informiert. Sie wollten zu Mr. Leviathan?“ „Ja“, sagte Laura. Sie fühlte sich ausgelaugt und hatte nicht Lust mehr Worte als nötig an Schwester Sonnenschein zu verschwenden. „Den Gang runter und das letzte Zimmer auf der rechten Seite des Ganges.“ „Danke“, Laura hatte sich in Bewegung gesetzt bevor die Schwester den Satz fertig gesprochen hatte. Sie hatte Remi und Lillian Conwell gestern auf dem Friedhof beobachtet und wusste, dass er nicht gerade unauffällig war. Irgendwie war sie gespannt darauf ihn aus der nähe zu sehen. Die Tür zum Krankenzimmer stand offen und Laura blieb davor stehen bevor sie eintrat. Es war ein Einzelzimmer und Remi lag in seinem Bett, während eine Schwester die bei jedem Schönheitswettbewerb ein Hingucker gewesen wäre daneben stand: „Haben Sie Hunger Mister Leviathan?“ „Nein noch nicht. Ich habe ohnehin nicht vor noch lange hier zu bleiben.“, antwortete Remi. „Sie wissen, dass sie ihre Verletzungen nicht unterschätzen dürfen.“, protestierte sie. Er zeigte ihr seine Handflächen: „Sehen sie? Alles in Ordnung“, und mit einem Blick zu Laura: „Würden sie mich jetzt bitte alleine lassen, sieht aus als hätte ich Besuch.“ „Na gut.“, sagte die Schwester, aber sie schien nicht glücklich zu sein. Als sie, an Laura vorbei, den Raum verließ meinte sie nur: „Machen sie nicht so lang. Der Patient ist gerade erst aufgewacht.“ Und lief bereits den Gang hinunter während das Klacken ihrer Schuhe ein unheimliches Echo erzeugte. Laura betrat den Raum und wendete sich Remi zu: „Man kümmert sich ja wirklich rührend um Sie.“ Sie betrachtete den Jungen auf dem Bett. Das pechschwarze Haar schien auch jetzt perfekt zu sitzen, obwohl er bis vor kurzem bewusstlos in diesem Bett gelegen hatte. Vorne war das Haar lang und glatt und hing seitlich am Gesicht bis zum Kinn, doch am Hinterkopf stand es in Stacheln ab. Das markanteste Kennzeichen jedoch waren seine roten Augen. Dieser Junge hatte tatsächlich rote Augen wie ein Albino, obwohl er schwarzes Haar hatte. Remi lächelte ihr zu: „Tja, so ist das nun mal wenn ein Teil des Krankenhauses meinen Familiennamen trägt. Alle denken, sie müssten einem in den Arsch kriechen. Wären sie so freundlich, die Tür hinter sich zu schließen?“ Laura war so freundlich: „Ich bin Detective Laura Johnson vom Salem City Police Department. Ich würde Ihnen gern ein paar Fragen stellen, Mr. Leviathan.“ „Dr. Miller hat mir bereits gesagt, dass sie auf dem Weg hierher sind. Hätten Sie vielleicht eine Zigarette für mich, ich muss meine bei dem Unfall verloren haben.“ Laura setzte sich auf den Stuhl neben dem Krankenbett und reichte ihm ihre Marlboro-Packung: ich glaub nicht, dass Doktor Miller das gern sieht.“ Sie reichte ihm Feuer und zündete sich selbst eine an. Die beiden benutzten Remis Wasserglas als Aschenbecher: „Mr. Leviathan. Sie sind in zwei meiner Fälle verwickelt. Ich möchte mit ihnen erst über Raymond Hawk sprechen.“ „Ray…“, er sagte es als wäre das Wort etwas worüber man nachdenken musste: „Was möchten sie wissen.“ „Nun, was mich am meisten wurmt ist das Motiv. Mehr, dass es gar keines gibt. Ray war beliebt, hatte eine gute meines Wissens eine gute Beziehung zu seiner Mutter, und eine Freundin mit der er glücklich war. Er wurde gerade am Salem Institut zugelassen, hatte demnach eine glänzende Zukunft vor sich. Also warum sollte so ein Junge Selbstmord begehen? Sie waren sein bester Freund, haben sie eine Ahnung, was es gewesen sein könnte? Irgendeinen Anhaltspunkt?“ „Keinen. Lilly und ich zerbrechen uns seit es passiert ist ständig den Kopf und kommen zu keinem Ergebnis.“, Remi schluckte schwer. „Inzwischen schließen wir die Möglichkeit eines Mordes nicht aus“, sagte Laura. Remi war geschockt: „Wie meinen sie das? Warum sollte jemand Ray töten?“ „Wir wissen es nicht, aber seine Mutter Tabitha Hawk wurde gestern Abend tot aufgefunden. Sie wurde ermordet, etwa zu der Zeit als sie auf der Beerdigung ihres Sohnes waren. Darum denken wir, dass es da einen Zusammenhang geben könnte.“ „Was? Das ist doch alles verrückt!“, Remi war außer sich. Wie kann das sein? Ray´s Mutter ist tot? Und diese komische Polizistin hat offenbar keine Schwierigkeiten damit solche Botschaften kalt zu servieren…Sie wollte nur sehen wie ich reagiere. „Sind sie sicher, dass sie nichts wissen, das uns weiterhelfen könnte.“ „Nein nichts.“, er drückte seine Zigarette im Becher aus. „Außerdem ermittle ich noch im Verschwinden einer gewissen Anna Clay.“ Remi sah sie an: „Wer ist Anna Clay?“ „Das Mädchen, dass sie gestern Abend aus dem brennenden Auto befreit haben. Der Bordcomputer ihres Wagens hat den Unfall aufgezeichnet. Kurz nach der Explosion setzt die Aufnahme für ein paar Sekunden aus. Nach dieser Störung ist das Mädchen nicht mehr da.“ Remi schien etwas einzufallen: „Als ich sie rausholte sagte sie etwas zu mir. Sie sagte, dass ein Mann auf der Straße war. Ich glaube das hat den Unfall verursacht. Aber es könnte auch sein, dass das Mädchen einfach unter schock war.“ „Wissen sie, im Moment kann ich zu keinem der beiden Fälle eine direkte Verbindung zu Ihnen herstellen aber für meinen Geschmack taucht der Name Leviathan ein bisschen zu oft in meinen Akten auf.“, Laura stand auf. „Soll das heißen, sie denken ich hätte was damit zu tun?“, er setzte sich im Bett auf und sah zu ihr auf. „Indirekt vielleicht. Ist nur ein Gefühl. Und deshalb werde ich sie im Auge behalten“, sie öffnete die Tür und machte sich auf zu gehen: „Sollte Ihnen noch etwas einfallen, rufen Sie im Präsidium an und verlangen Sie nach mir! Schönen Tag noch Mr. Leviathan.“
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Posted: Fri Nov 23, 2007 7:26 pm
First Awakening
Gleich nachdem die Polizistin gegangen war rief Remi Dr. Miller zu sich, damit dieser seine Entlassungspapiere unterschreibt. Remi war bereits dabei sich anzuziehen als dieser das Krankenzimmer betrat. Er war ein kleiner Mann mit grauem Haar und Schnurbart. „Mr. Leviathan, ich muss protestieren. Sie sollten noch zur Beobachtung bleiben.“ Remi würdigte ihn keines Blickes sondern zog sein T-Shirt über den Kopf. Es waren neue Sachen, die ihm die Schwester besorgt hatte, nachdem er ihr ein beachtliches Trinkgeld zugesteckt hatte. Er hatte ja nach Ray’s Beerdigung einen Anzug angehabt, der beim Unfall schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde: „Die Entlassungspapiere wurden bereits aufgesetzt, ich brauche nur noch die Unterschrift meines behandelnden Arztes. Sie sagten mein Wagen steht auf dem Polizeigelände?“ „Mr. Leviathan. Die Geweberekonstruktionen an ihrer Stirn und den Handflächen sind gut verlaufen aber Sie hatten eine schwere Gehirnerschütterung, Sie sind bestimmt nicht fahrtauglich.“ „Gut, dann rufe ich mir ein Taxi.“, Remi setzte sich aufs Bett und machte sich daran seine Schuhe anzuziehen. Er hielt kurz inne weil er einen Schwindelanfall hatte, aber er wollte nicht, dass Dr. Miller es mitbekam, also zwang er sich weiterzumachen. „Jetzt sein sie doch vernünftig!“, der Arzt klang wie ein quengelndes Kind. Remi stand auf und stellte sich vor den Arzt, den er mit seinen Einsfünfundachtzig um mehr als einen Kopf überragte: „Dr. Miller, ich danke ihnen für ihre Sorge, aber ich habe morgen meinen ersten Tag am Salem Institut. Wissen sie was das heißt? Ich muss nach Hause und mich vorbereiten.“ Miller war nicht begeistert aber er sah ein, dass er Remi nicht umstimmen konnte: „Gut aber seien sie Vorsichtig und versprechen sie mir sich heute zu schonen!“ „Ich versprechs!“, sagte Remi und lächelte seinem Arzt zu, der sich daraufhin umdrehte und ging um die Papiere zu holen. Als er draußen war stöhnte Remi auf und ließ sich aufs Bett fallen. Seine Kopfschmerzen waren furchtbar.
Dieser Leviathan-Junge hatte irgendwie Lauras Interesse geweckt. Sie konnte sich nicht erklären warum, aber sie hatte ein brennendes Verlangen mehr über ihn zu erfahren, obwohl ihre Augen drohten zuzufallen. Das war ihr letzter Halt für heute, dann konnte sie den Schlaf nachholen, den sie so dringend brauchte. Laura war schon zu Beginn ihrer Ermittlungen über eine alte Akte gestolpert in der sein Name aufschien, und dem musste sie auf den Grund gehen. „Bringen sie mir etwa Kaffe mit?“, fragte der Aufseher mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Tut mir leid, der ist für Mr. Rigbey“, sagte Laura mit dem Hauch eines Lächelns. Zu einem Ganzen war sie nicht mehr im Stande. Sie war am Ende des Korridors angelangt, wo sich die Tür zum Verhörraum des Staatsgefängnisses befand. Der Aufseher, ein stämmiger Kerl der nicht den intelligentesten Eindruck machte, war neugierig: „Was wollen Sie denn eigentlich von Rigbey?“ „Tut mir leid, dass darf ich Ihnen nicht sagen.“ „Gut, wenn sie das nicht dürfen.“, er zuckte mit den Schultern, eine Geste die wohl so etwas wie „dann eben nicht“ ausdrücken sollte und wechselte das Thema: „Der Gefangene trägt Handschellen und Fußfesseln. Ich bleibe in der Nähe, falls das Schwein Probleme macht drücken sie den Alarmknopf und ich komme Ihnen zu Hilfe. Oder sie jagen im einfach eine Kugel zwischen die Augen, wär kein großer Verlust.“ Er öffnete die schwere Stahltür: „Sie haben eine Stunde.“ Laura betrat den kleinen dunklen Raum, der bis auf einen Stählernen Tisch und zwei Stühle auf gegenüberliegenden Seiten vollkommen leer war. Auch die Wände bestanden nur aus blankem Beton. Sie trat an den Tisch heran und begutachtete den Gefangenen Charles Rigbey. Er war ein magerer, unrasierter Kerl in oranger Sträflingskleidung und sein Haar hing ihm in Strähnen ins Gesicht. Laura stellte ihm den Kaffe hin und nahm auf dem freien Stuhl Platz: „Guten Tag Mr. Rigbey.“ Er umklammerte mit den beiden gefesselten Händen den Becher und war offensichtlich sehr nervös: „Was wollen Sie von mir?“ „Nur plaudern“, sie nahm all ihre Kraft zusammen und schenkte ihm ein zuckersüßes Lächeln. „Und worüber?“, Charles war ein misstrauischer kleiner Drecksack. „Remi Leviathan.“, er zuckte bei dem Namen zusammen. „Nein! Das ist zwölf Jahre her. Ich will nicht mehr darüber reden. Ich hab alles gesagt und keiner hat mir geglaubt. Ich will nicht mehr daran denken und sie können mich nicht zwingen, denn ich hab Lebenslang gekriegt. Ich hab nix zu verlieren.“ „Hören sie, Charly“, Laura stützte die Ellbogen auf den Tisch: „ich will sie nicht zwingen, aber ich kann ihnen einen Deal vorschlagen. Ich könnte ein gutes Wort für sie einlegen. Es ist ein großer unterschied ob ihr Antrag auf Bewährung dreizehn oder schon in drei Jahren geprüft wird.“, das war glatt gelogen. „Damit kaufen sie mich nicht.“, er wollte eine abwehrende Haltung einnehmen und die Arme verschränken, merke aber zu spät, dass das mit den kurzen Ketten der Handschellen nicht möglich war. Deshalb legte er sie wieder auf den Tisch. Laura wurde klar das sie es mit einem richtigen Genie zu tun hatte. „Sind sie sicher Charly? Mir ist zu Ohren gekommen, dass einige Insassen etwas zu nett zu ihnen sind. Die wären sie dann los.“ Er wurde schlagartig rot im Gesicht: „Das ist nicht wahr. Was wissen Sie schon?!“ „Einer meiner Fälle könnte mit dem Jungen zu tun haben. Ich brauche ihre Hilfe.“ „Hat er Scheiße gebaut?“, er sah sie fragend an. „Das will ich herausfinden.“ „Ich sag ihnen was. Lassen sie es! Am besten sie nehmen sich Urlaub und lassen jemand anderen rausfinden, ob Remi Leviathan Mist gebaut hat.“ „Warum haben sie solche Angst vor ihm? Er war doch ein sechsjähriges Kind damals. Bitte, sagen Sie es mir, Charlie.“ Er sank noch tiefer im Stuhl zusammen: „Mir is echt nicht wohl dabei, Lady. Sie würden mir sowieso nicht glauben. Keiner hat mir geglaubt, weil ich damals auf Koks war. Scheiße, ich weiß ja selber nicht ob ich’s glaub.“ „Im Polizeibericht steht, dass sie unter Wahnvorstellungen litten, was auf Drogenmissbrauch zurückzuführen war. Ihre Aussage wurde nur bruchstückhaft zu Protokoll genommen. Ich will alles hören.“ „OK ich erzähls ihnen. Wo soll ich anfangen?“ „Am Anfang, Charlie. Lassen sie sich Zeit.“ Und so begann Rigbey zu erzählen, zwischendurch nippte er immer wieder an dem Kaffe, den sie ihm gebracht hatte: „Ich und meine Kumpel, Lenny und Chuck, wir haben damals nen Riesentrubel veranstaltet. Haben reihenweise Häuser ausgeräumt und jeden abgeknallt der uns die Quere gekommen ist. Danach haben wir das Zeug verscherbelt, uns zugedröhnt und das nächste Haus klargemacht. Chuck war ein Genie, der Mann konnte echt jede Alarmanlage knacken. Wie viele Häuser waren es noch mal? Sieben?“ „Es waren sechs ohne das Leviathan-Haus. Dabei elf Tote, vier Vergewaltigungen und so ziemlich alles mitgenommen, was nicht Niet- und Nagelfest war.“, verbesserte Laura ihn. „Ja. Sechs waren es, bei denen es geklappt hat.“, Rigbey lächelte als würde er in schönen Erinnerungen schwelgen: „Wir hatten ne geile Zeit. Ständig drauf und immer in den Nachrichten. Es war fast zu einfach. Aber Lenny war der Boss und Lenny war es der gesagt hat, dass es Zeit für was richtig Großes war. Die Leviathans waren die reichsten Säcke in der Gegend, vielleicht in sogar auf der ganzen Welt. Ich hab gedacht, der Coup ist ne Nummer zu groß für uns aber so n komischer Kerl hat Lenny gesteckt, dass die genauso dumm sind, wie sie reich sind. Das Haus war so gut wie gar nicht gesichert.“ Dafür hat Jonathan Leviathan es danach zu einer Festung umgebaut, dachte Laura aber sie wollte Charles nicht unterbrechen. Er schien bereits vollkommen in die Welt seiner Erinnerungen eingetaucht zu sein. Wahrscheinlich war es das erste Mal, dass er die Geschichte jemandem ganz genau schildern konnte, ohne als Spinner hingestellt zu werden. „Naja, jedenfalls haben wir beschlossen, dass wir das durchziehn. Wir waren alle so aufgeregt, also haben wie ein paar Lines gezogen und sind da hingefahren. Die Leviathans waren gar nicht da, irgend so eine Schickimicki-Party oder so was. Es waren nur die ein Bodyguard, die Babysitterin und der Junge im Haus und noch ein Bodyguard im Garten. Lenny tat so al wäre er ein besoffener Penner der neben das Tor kotzen will, und als der Sicherheitstyp ihn vertreiben wollte, hat Lenny ihn einfach abgeknallt. Mit Schalldämpfer. Wir haben ihn dann versteckt und sind übers Grundstück zum Haus geschlichen. Chuck hat die Tür geknackt und wir warn drin. Den andern Bodyguard hab ich erwischt. Hat die Tür nicht zugemacht beim Pissen und ich hab ihm ne Kugel in von hinten in den Schädel gejagt, während er Smoke on the Water gesummt hat.“ Rigbey grinste und entblößte dabei ein paar schiefe gelbe Zähne. Er war widerlich: „Als ich ins Wohnzimmer kam hatte Lenny die Babysitterin gefesselt, so ein blutjunges Ding, richtig süß und Chuck brachte den jungen. Erst dacht ich, das wär ein richtiger kleiner, reicher Waschlappen. Is in seinem Pyjama dagesessen und hat geflennt als wir ihn gefesselt haben. Dann haben wir soviel Zeug eingepackt, wie wir tragen konnten. Das war ein Vermögen wert, Schmuck, Bilder und so ein Scheiß. Wir hätten gehen können aber Lenny wollte nicht. Ihm hat die Babysitterin gefallen. Er wollte noch ein bisschen Spaß mit ihr haben, also hat er angefangen sie auszuziehn. Der Junge hat geschrieen und geflennt, er soll sie in Ruhe lassen. Sie hat sich gewehrt, also hat Lenny ihr eine Verpasst und sie war weggetreten.“ Charly schluckte und sein Gesicht verfinsterte sich: „Auf einmal war alles anders. Ich hab zu dem Jungen geschaut und es war als wäre er nicht da. Wissen Sie? Es hätte genauso gut TILT auf seiner Stirn stehen können. Seine Augen…da war irgendwie nichts. Zum ersten mal hab ich gemerkt, dass die Scheißaugen von dem kleinen rot sind. Und ich meinte noch zu Chuck: Schau der kleine Pisser hat nen Schlaganfall oder so was. Und dann war er wieder da. Ich war so drauf ich konnte gar nicht reagieren. Der Junge war wieder da aber er war anders. Hat mich angegrinst. Richtig gruselig. Er war so schnell. Hat seine Fesseln zerrissen und plötzlich hat er Chucks Waffe der Hand und ballert Lenny die Birne weg. Und ich sehn noch wie Chuck umkippt und seine Scheißeingeweide auf den Boden fallen. Dann dreht sich der kleine um und springt mir an die Gurgel. Ich schwör ihnen, das war ein Tier.“ Rigbey sprach inzwischen so hektisch, dass Laura dachte, er würde gleich Hyperventilieren: „Es war ein Reflex. Hab dem Jungen mit der Knarre eins übergezogen und er is auf den Boden gefallen. Dann bin ich abgehaun, hab mir sogar in die Hose gemacht. Aber die Bullen haben mich geschnappt.“ „Und keiner hat ihnen geglaubt?“ „Hah!“, er klang wütend: „Wir waren Staatsfeind Nummer eins. Gott und die Welt hat uns verflucht. Da die anderen hinüber waren wollten alle mich so schnell wie möglich hinter Gittern sehen. Sie haben gesagt, dass ich high war und nicht zurechnungsfähig und dann haben sie behauptet, dass ich die beiden umgebracht hab, weil wir uns um die Beute gestritten haben. Die Babysitterin hat nichts gewusst weil sie weggetreten war und der Junge ist nicht mal richtig befragt worden. Ich kann froh sein, dass in diesem Staat die Todesstrafe verboten ist.“ Laura überlegte, ob sie diesem Mann auch nur ein Wort glauben sollte. Immerhin war er damals stoned gewesen und offensichtlich war Charly so verrückt wie eine Scheißhausratte. Sie seufzte und stand auf: „Danke Charly, Sie haben mir sehr geholfen.“ Sie betätigte den Knopf, der in der Tischplatte versteckt war und den Aufseher herbeirief. „Warten sie! Sie glauben mir doch, oder?“, er sah sie hoffnungsvoll an. „Keine Ahnung, Charly. Ich weiß es wirklich nicht“ Die Tür ging auf und der stämmige Aufseher stellte sich daneben. Sie machte sich auf zu gehen aber Rigbey rief ihr hinterher: „Halten sie wenigstens ihr Versprechen?“ „Welches Versprechen?, antwortete sie und verließ den Raum. Er schrie ihr noch nach, was für eine blöde Schlampe sie doch war aber Laura bekam das nur entfernt mit. In Gedanken lag sie bereits in ihrem Bett.
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Posted: Sat Nov 24, 2007 6:21 am
Last Words
Das Taxi hielt vorm Tor des Leviathan Anwesens. Remi drückte dem Fahrer einen Schein in die Hand und stieg aus. Das Grundstück wurde von einer hohen Mauer aus roten Ziegelsteinen umgeben. Remi stieg die Auffahrt hinauf zu dem reich geschmückten, eisernen Tor und blickte in das elektronische Aug, dass neben dem Tor. Einen kurzen Moment lang wurde er davon ins Visier genommen, dann schwang das Tor auf. „Guten Tag Mr. Leviathan. Willkommen zu Hause.“, meldete sich Q’s elektronische Stimme zu Wort. „Hi Q“, antwortete Remi und wollte sich gerade zum Haus aufmachen, als noch mal Die Stimme aus dem Lautsprecher drang: „Sir, Sie haben Post.“ Im ersten Moment verstand er gar nicht worum es ging: „Dann lade es mir auf mein Global!“ „Nein Sir, es befindet sich ein Brief im Briefkasten.“ Remi legte die Stirn in Falten und ging zurück zum Briefkasten, rechts vom Tor, der eigentlich seit Jahren nicht benutzt wurde und steckte die Hand hinein. Er verzog kurz das Gesicht als seine Hand durch ein Spinnennetz riss. Es war ein einzelnes weißes Kuvert was dabei zum Vorschein kam, adressiert aber ohne Absender. „Wes verschickt heutzutage noch Papier?“ „Das ist mir nicht bekannt, Sir. Ein Kurier hat es während Ihrer Abwesenheit eingeworfen.“ Während Remi den restlichen Weg zu seinem Haus zurücklegte, dass sich etwas höher gelegen auf dem Grundstück befand und locker jeder Villa in Hollywood Konkurrenz gemacht hätte, riss er den Briefumschlag auf und nahm das einzelne, handgeschriebene Blatt Papier heraus. Automatisch wanderte sein Blick zum unteren Ende des Zettels wo der Absender Stand. Er bekam beim Lesen einen weiteren Schwindelanfall und musste sich an die Hausmauer lehnen um nicht umzufallen. Mit dem Rücken zur Wand rutschte er runter und setzte sich auf den Boden. Als Absender stand nur ein Name dort, drei Buchstaben, die soviel Bedeuteten. Der Name am unteren Rand war „Ray“. Remi nahm sich zusammen und Begann zu lesen:
Hi Remi,
Wenn du das liest, werde ich wohl nicht mehr sein. Was ich dir sagen möchte ist, dass es mir Leid tut. Es kommen harte Zeiten auf dich zu, aber ich kann dir nicht zur Seite stehen. Was auch immer passiert ist, oder noch passieren mag, ich schwöre dir, dass es mir Leid tut. Es gibt Leute, die hinter dir her sind. Du musst vorsichtig sein. Ich habe jahrelang diesen Menschen in die Hände gespielt ohne es zu wissen. Als ich davon erfuhr habe ich es beendet um dir weiteres Leid durch mich zu ersparen. Mach dir keine Sorgen um mich, denn das habe ich nicht verdient. Ich habe mich umgebracht, und falls ich dafür in der Hölle schmore so ist das auch okay, denn es bedeutet, dass auch ich eine Seele habe. Sie werden sich schon bald zeigen. Pass auf dich auf, mein Freund.
Ray
Remi las den Brief wieder und wieder. Was zur Hölle soll das alles? Ich verstehe es nicht. Wieso kann nicht alles so sein wie früher? Er zog seine Knie an und legte die Stirn dazwischen. Diese Kopfschmerzen bringen mich noch um.
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Posted: Mon Feb 18, 2008 1:12 am
Kapitel 2
Salem Institute
Remi hatte in der Nacht schlecht geschlafen, doch die paar Stunden in denen es ihm gelungen war, hatten offenbar etwas gebracht. In anbetracht der Dinge die in letzter Zeit passiert waren fühlte er sich seltsam klar und erfrischt, als er die Eingangshalle des Salem Institutes betrat. Ein historisches Gebäude mit großen breiten Steintreppen die in drei Richtungen nach oben führten. Der Marmorboden sah gepflegt. Moderne Elemente schlichen sich in dieses Bild ein, Getränkeautomaten standen in der Halle, die Stühle die aufgestellt waren, bestanden aus Kunststoff und hatten Beine aus Metall. In der Halle ging es drunter und drüber. Es war der erste Schultag und überall strömten Schüler durch die Gänge. Lehrer eilten mit schwarzen Aktentaschen unter dem Arm zu Klassenräumen. Einige der Schüler standen bei den Getränkeautomaten und unterhielten sich. Dafür, dass dies die angesehenste Schule des Landes war, erinnerte sie Remi stark an seine alte High School. Davon durfte man sich jedoch nicht täuschen lassen, denn das Salem Institut war eine Art Universität, wenngleich es nicht so organisiert war. Nur die begabtesten Schüler wurden hier angenommen, und er und Ray hatten es beide geschafft. Es war kaum zu glauben. Remi musste an Ray denken: Ray, du warst so glücklich als du hier aufgenommen wurdest. Es war dein Traum und ich hab den Eignungstest nur deinetwegen mitgemacht. Ist es fair, dass ich jetzt allein hier stehe? Er sah sich in der Halle um und musste eingestehen, dass er absolut keine Ahnung hatte wo er eigentlich hin musste. Es gab sicher irgendwo ein Sekretariat, wo er hätte fragen können, aber dazu müsste er das Sekretariat erst mal finden. „Kann ich ihnen irgendwie helfen?“, es war eine tiefe, strenge Stimme die hinter Remis Rücken zu hören war. Er drehte sich um und sah erst niemanden dort wo er es erwartet hätte. Erst als er den Kopf senkte erblickte Remi einen Mann mit Halbglatze und grauem Bart. Der Mann trug einen schwarzen Anzug, der mit größter Wahrscheinlichkeit in einer höheren Preisklasse lag und saß in einem silbernen Rollstuhl, der einige Zentimeter über dem Boden schwebte. „Ja, vielleicht können sie das wirklich. Mein Name ist…“ „Remi Leviathan, ich weiß.“, beendete der Mann im Rollstuhl: „Sie sehen ihrem Vater sehr ähnlich, und das liegt nicht nur an den…Augen. Er war einer meiner besten Schüler. Von Ihnen erhoffen wir uns ähnliche Leistungen.“, er streckte Remi die Hand entgegen und während dieser sie schüttelte: „Ich bin Dr. Seymour O´Neil, ich unterrichte Physik. Sie müssen in Raum 253. Einen Moment, bitte.“, er drehte mit einem Handgriff, an einer Art Joystick, den Rollstuhl in Richtung der Getränkeautomaten und legte den Daumen und Mittelfinger der linken Hand in den Mund. Er pfiff mit einer beachtlichen Lautstärke und das Echo in der großen Halle war unheimlich. Remi drehte seinen Kopf gerade noch rechtzeitig in Richtung der Automaten um zu sehen, wie der Junge, der sich gerade ein Red Bull holte zusammenzuckte und dann die Schultern hängen ließ. O´Neil rief ihn herbei: „Rubin, kommen sie her und machen sie sich nützlich.“ Einige Mädchen die in der Nähe standen fingen an zu kichern. Der Junge drehte sich um, verdrehte genervt die Augen und setzte dann ein strahlendes Lächeln auf: „Natürlich Dr. O´Neil, für Sie tu ich doch alles.“ Provokant langsam kam er dahergeschlurft. Der Junge hatte längere blonde Haare und war schlank gebaut, seine viel zu weiten Militärhosen schleiften am Boden. Als er bei den Beiden ankam wanderte sein Blick erstmal zu Remi und dann zum Lehrer: „Na, was darfs denn sein?“ „Mr. Leviathan hier ist in ihrer Klasse. Er kennt sich im Gebäude noch nicht aus und ist etwas zu früh dran. Früh genug für eine kleine Führung, Mr. Rubin. Wenn Sie mich nun entschuldigen würden, ich muss meinen Unterricht vorbereiten. Schönen Tag noch, und lassen sie sich von Rubin keine Flausen in den Kopf setzten Mr. Leviathan, er ist einer der weniger viel versprechenden Schüler hier.“ Mit diesen Worten schwebte O´Neil davon. Sein Rollstuhl gab dabei ein summendes Geräusch von sich. „Blöder, alter Sack.“, knurrte der Junge und sah Remi an. „Tut mir leid, ich hab ihn eigentlich nur nach dem Weg fragen wollen.“ „Schon Okay.“, der Junge reichte Remi die Hand: „O´Neil hat’s einfach auf mich abgesehen, ist nicht deine Schuld. Ich bin Jason. Heißt du wirklich Leviathan?“ „Ja, ich bin Remi.“, Irgendetwas hatte dieser Junge an sich, jedenfalls war er Remi auf Anhieb sympathisch. „Hey, trinkst du auch ein Red Bull mit? Ich geb einen aus.“ Remi war total perplex. Er war es nicht gewohnt, dass ihm irgendjemand etwas zahlt. Offensichtlich hatte Jason keine Ahnung wie wohlhabend Remi war, also sagte er zu. Während sie zum Automaten gingen fragte er: „Wiederholst du das Jahr oder wie kommt es, daß du das Gebäude kennst?“ „Ja.“, Jason grinse verlegen: „Ich hatte ein paar persönliche Probleme und hab oft den Unterricht verpasst. Aber hey, neues Jahr, neues Glück, oder?“. Er steckte seine Kreditkarte in den Schlitz des Automaten und betätigte den Schalter auf dem das Red Bull Logo zu sehen war. Das innere des Automaten summte und eine Dose kam im Entnahmefach zum Vorschein. Remi nahm sie heraus: „Danke.“ „Kein Problem. Lass uns gleich in den Vortagssaal gehen, die Direktorin hält sowieso erst mal eine ihrer Willkommensreden für die Neulinge an der Schule. Die Klassenräume zeig ich dir später, denn so bekommen wir im Vortagssaal noch einen Sitzplatz, bevor die höheren Klassen reinstürmen.“ „Was würde ich nur ohne dich tun“, entgegnete Remi lächelnd. Überhaupt schien Jasons ungezwungene Art irgendwie auf ihn abzufärben. Es gab Leute, die Remi in Jahren nicht einmal lächeln sahen, doch Jason Rubin hatte es innerhalb einiger Minuten geschafft. Der Typ war zwar kein ganz so starker Charakter wie Ray, aber er hatte einiges mit ihm gemeinsam. Die beiden hätten sich gut verstanden, dachte Remi bitter. „Wahrscheinlich heulend in der Empfangshalle stehen“, meinte Jason freundlich und setzte sich in Bewegung.
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Posted: Mon Feb 18, 2008 1:15 am
Politics
Der Vortragssaal des Salem Institutes hatte mehrere hundert Sitzplätze, die ähnlich wie bei einem Kinosaal angeordnet waren. Am Rand und im hinteren Teil des Raumes war noch genug Platz, dass man ein ganzes Lycantropy-Konzert stehend untergebracht hätte. Im vorderen Teil des Raumes befand sich ein Tisch mit ein paar Stühlen und im Zentrum ein Rednerpult hinter dem zwei schräge Fahnenstangen standen, so dass sie ein X bildeten. An einem hing die Flagge der USA mit ihren Stars and Stripes, am andern eine schwarze Flagge, auf der das Wappen der schule abgebildet war, Da Vincis Körperstudie, als Symbol für Wissenschaft und Fortschritt, in den Farben gelb und rot. Rechts dahinter befand sich an der schmucklosen Holzwand eine kleine Tür, durch die Ms. Elmont wahrscheinlich den Saal betreten würde. Als Remi und Jason den Saal betraten hatten sich bereits vereinzelt Menschen eingefunden, deren Unterhaltungen ein buntes Stimmengewirr ergaben, von dem nur Fetzen verständlicher Worte zu den beiden drangen. „Da ist C.J.“, rief Jason und lief zu einem athletisch gebauten, jedoch für die Verhältnisse des Salem Institutes, nicht sehr intelligent wirkenden Jungen, der in der letzten Reihe saß. Remi, der keine Ahnung hatte, wer C.J. war folgte ihm. Schwungvoll ließ ason sich auf den Platz neben ihm fallen und schlug ihm mit der flachen Hand so freundschaftlich auf den Rücken, dass dem Armen einen kurzen Moment die Luft ausging: „Hi, C.J.!“, rief Jason fröhlich grinsend. „Du… Ich sollte dir den Hals umdrehen, Jason.“, fuhr C.J. ihn an. Remi setzte sich vorsichtig neben Jason als dieser meinte: „Was ist den los, du bist so aggressiv. Sind dir die Steroide ausgegangen?“ „Ich bin überhaupt nicht aggressiv!“, schrie C.J. Jason an, so dass für einen kurzen Moment alle Unterhaltungen im Raum anhielten. Als jedoch klar wurde, dass weiter nichts passieren würde, setzte das Stimmengewirr wieder ein. „Das hast du ja jetzt bewiesen, Samson.“, meinte Jason gelassen, während er die Hände hinterm Kopf verschränkte: „Krieg dich wieder ein.“ „Hmmpf…“, brummte C.J. verächtlich und sah zum ersten Mal Remi an. „Ach ja“, meinte Jason, der sich plötzlich seiner guten Manieren bewußt wurde: „Ich wollte dir Remi vorste…“ „Was macht der Kerl denn hier?“, wurde er von „Samson“ unterbrochen. „Ach, ihr kennt euch?“ „Rubin, du bist echt ein Idiot. Hast du denn keine Ahnung wer das ist?“ „Naja, er heißt Remi Leviathan und…“ C.J. schlug sich selbst auf die Stirn: „Wie haben sie dich denn hier aufgenommen? Wenn du ab und zu deinen Kopf aus deinem Arsch nehmen würdest, hättest du eine Ahnung was auf der Welt vorgeht. Das ist Remi Leviathan, seiner Familie hat die Red-Corp gehört, das größte Elektronikuternehmen der Welt. Er ist wahrscheinlich einer der reichsten Menschen auf diesem Planeten.“ Remi, der bis jetzt geschwiegen hatte, während über ihn geredet wurde als wäre er nicht m Raum meinte: „Eigentlich bin ich nur an zehnter Stelle denk ich“ Jason, der langsam zu kapieren schien, drehte sich zu Remi um: „Bist du wirklich du reich?“ „Ja“, sagte Remi, der jetzt ein bißchen verlegen war. „Coole Sache“, meinte Jason grinsend: „Dann geht die nächste Runde Softdrinks auf dich, mein Freund.“ Wahrscheinlich hätte das bei jedem anderen so geklungen, als beabsichtige er, Remis Reichtum auszunutzen, aber Jasons Gesicht ließ Einen zweifeln, ob er zu solcherlei Gefühlen überhaupt fähig wäre. „Von mir aus, aber nicht hier. Wir könnten nach der Schule in die Mall gehen und uns einen Kaffe holen.“ „Abgemacht, aber wir treffen uns etwas später dort.“, meinte Jason: „Ich muß vorher noch nach Hause.“ C.J. verdrehte die Augen und brummte: „Kann’s nicht glauben, dass du dich mit solchen Bonzenkindern abgibst Rubin. Dachte wir armen Schweine müssen zusammenhalten.“ Jason würdigte ihn keines Blickes und meinte nur: „Du mußt C.J. vergessen. Er hasst reiche Menschen, aber er haßt auch sonst alles. In Wirklichkeit ist er nur angepisst weil er auch wiederholt und deswegen besteht wie bei mir die Gefahr, dass er sein Stipendium verliert. Aber er wird schon nicht fliegen, weil er im Basketballteam ist.“ C.J. wollte noch etwas sagen aber in diesem Moment begannen die Schüler bereits in Massen in den Vortragssaal zu schwärmen und es wurde noch lauter in dem Raum.
Kurze Zeit später waren alle Sitzplätze besetzt und auch am Rand standen Viele die zu spät gekommen waren. Vereinzelt betraten noch Menschen den Saal. Einige der Schüler aus den höheren Klassen unterhielten sich oder gähnten gelangweilt, einzig die Neulinge verhielten sich größtenteils ruhig, was in Anbetracht der Tatsache, dass die Meisten weder jemanden kannten, noch wußten was auf sie zukam, nicht verwunderlich war. Endlich öffnete sich die Tür hinter dem Rednerpult und zwei Personen betraten den Raum. Die erste war eine kleine, blonde und vielleicht etwas plumpe Frau, die auf den ersten Blick einen äußerst freundlichen Eindruck machte, solang man nicht direkt in die kalten blauen Augen sah. Es war Allana Elmont, die Direktorin des Salem Institutes. Erst bei der zweiten Person die erschien ging ein kaum hörbares Raunen durch den Raum. Die Frau war das krasse Gegenteil von Allana Elmont. Sie war groß und hager, Remi fand immer, dass sie wie ein vertrockneter Ast aussah. Mitten in Ihrem, ansonsten nicht unschönen Gesicht ragte eine Nase in die Welt hinaus, die so dünn und lang war, dass man meinen konnte, damit Brot schneiden zu können. Links und rechts davon waren Augen, die so schwarz zu sein schienen wie das gefärbte Haar. Allana Elmonts Augen waren intelligent, berechnend und kalt, aber voller Vitalität, diese hingegen waren schlimmer denn es war kein Leben darin. Es war als würde man in ein schwarzes Loch schauen. Remi kannte sie aus dem Fernsehen aber zum ersten Mal sah er sie wirklich. Für einen kurzen Moment war es so als konnte er einen Blick in die Seele dieser Frau werfen, und was er dort sah war pure Dunkelheit. Dann trat sie in das Licht des Raumes und von einer Sekunde zur nächsten hatte sich über ihr Gesicht ein zuckersüßes Lächeln ausgebreitet. Remi lief e kalt den Rücken runter, dieses Lächeln war so echt wie ein Dreißigdollarschein. Er bemerkte, dass er krampfhaft die Armlehnen seines Stuhls drückte und versuchte sich zu entspannen. Hatte er sich das nur eingebildet? Hatte er das wirklich gesehen? Er war sich nicht mehr sicher, aber er konnte den Blick nicht von ihr abwenden. Unterdessen hatte Allana Elmont sich bereits ans Rednerpult begeben und wartete einen Moment bis das Murmeln im Raum sich gelegt hatte, ehe sie anfing zu sprechen: „Guten Morgen, meine sehr verehrten Damen und Herren, es ist mir eine Freude, Sie auch dieses Jahr wieder i Salem Institut zu begrüßen. Die letzten Jahre waren überaus erfolgreiche Jahre für uns. Wie viel von Ihnen wissen war dieses Institut einst, als es 2036 gegründet wurde, als Experiment gedacht, anders strukturiert als jede andere Universität der damaligen Zeit, um Wissen besser vermitteln zu können. Und nun 27 Jahre später können wir mit stolz behaupten: Wir sind die Elite, wer hier aufgenommen wird, dem steht die ganze Welt offen, wer das Lernziel erreicht und bis zum Ende durchhält, braucht sich über Geld nie wieder Gedanken zu machen. Das, meine Damen und Herren, erfüllt mich täglich mit Stolz. Und Ihnen sollte es genauso gehen. Denn nur wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir gewährleisten, dass auch das vor uns liegende Jahr so erfolgreich wird wie die vorhergehenden. Danke.“, das Publikum applaudierte kurz, dann sah die Direktorin kurz zu der zweiten Frau hinüber und sagte: „Ehe Sie sich in Ihre Klassenräume begeben möchte auch noch unsere geschätzte Bürgermeisterin und Senatskandidatin für den Staat New York, Ms Doris Priest noch einige Worte an Sie richten.“ Damit verließ Allana Elmont das Rednerpult und stellte sich in den Hintergrund, während die Bürgermeisterin herantrat. Doris Priest lächelte wieder ihr einnehmendes und ehrliches lächeln. Es sah fast überzeugend aus, aber eben nur fast. Remi ging durch den Kopf war er fühlte als er sie durch die Tür kommen sah. Er sah rüber zu Jason und C.J. aber das einzige, was die beiden zu beschäftigen schien, war ihre eigene Langeweile. Wieder dachte Remi er könnte sich alles eingebildet haben, als auch Jason meinte: „Irgendwas an ihr ist eigenartig.“ Also war er nicht de einzige der es bemerkt hatte, aber er war sich nicht ganz sicher, ob er sich darüber freuen sollte. „Auch ich wünsche Ihnen allen einen guten Morgen.“, Doris Priest hatte begonnen zu sprechen: „Als Bürgermeisterin unserer Stadt ist es mir natürlich eine außerordentliche Freude, heute hier sein zu dürfen und den Schülern dieses Institutes ein erfolgreiches Schuljahr zu wünschen, besonders da das Salem Institut, neben anderen Einrichtungen, zum Wachstum unserer schönen Stadt einen außerordentlichen Beitrag geleistet hat. Sie alle repräsentieren diese Stadt, und den hohen Bildungsstandard de…“ „Gehen sie nach Hause!“, kam es vom hinteren Teil des Raumes und Doris Priest hielt inne. Alle drehten sich um, um zu sehn wer da schrie. Ein Junge mit braunen, ins Gesicht hängenden Haaren kämpfte sich durch die Reihen der stehenden Leute: „Führen Sie Ihren Wahlkamp woanders! Sie gewinnen hier keine Wähler.“ „Aber junger Mann, sie können nicht für alle in diesem Raum sprechen. Ganz davon abgesehen, bin ich heute nicht hier um Wähler zu gewinnen“ „Erzählen Sie das Ihren Hinterwäldlern und Idioten, die blöd genug sind Sie in den Senat zu wählen.“ Unterdessen warf Allana Elmont dem Hausmeister, der in seinem grauen Arbeitsanzug seitlich der Sitzreihen stand, unbemerkt einen Blick zu und er begann sich augenblicklich durch die Reihen der Menschen zu arbeiten. Doris Priest schien einen kühlen Kopf zu bewahren obwohl es hinter ihrer Fassade zu bröckeln begann: „Nun beruhigen Sie sich doch. Sie scheinen das Ziel meiner Politik mißverstanden zu haben.“ „Ihre Politik ist unmißverständlich. Sie predigen Hass! Hass gegen die, die anders sind!“, konterte er. C.J. seufzte genervt: „War ja klar, dass Max die Schnauze nicht halten kann.“ Inzwischen hatte der Hausmeister ihn erreicht und packte ihn am arm um ihn aus dem Saal zu befördern. „Fallt nicht auf diese Hexe rein! Sie predigt Hass.“, schrie Max während er Richtung Tür gezogen wurde. „Ich predige Sicherheit für unsere Bürger“, entgegnete die Bürgermeisterin schrill, sie sah gelassen aus aber ihre Stimme verriet sie. „Warum nicht für alle Bürger?“, rief Max, aber die einzige Antwort die er bekam, war die der Hausmeisters: „Halt die Klappe Junge, das hat doch keinen Sinn.“ Dann schloß sich die Tür hinter den Beiden und sie waren draußen. Doris Priest schien dieser Auftritt aus dem Konzept gebracht zu haben, dann alles was sie noch sagte war: „Viel Erfolg im kommenden Schuljahr.“ Mit diesen Worten verließ sie den Raum bereits durch das kleine Türchen, durch dass sie vorhin eingetreten war. Allana Elmont beugte sich noch kurz zum Mikrofon auf dem Pult: „Sie können sich nun in Ihre Klassen begeben, dann folge sie der Bürgermeisterin. Die Schüler blieben noch einen Moment sitzen um zu verstehen was gerade geschehen war, doch irgendwann begannen die ersten den Raum auch wieder zu verlassen.
Die Direktorin holte Doris Priest in dem schmalen Verbindungskorridor ein, der zum Lehrerzimmer führte, als diese, ohne sich umzudrehen, meinte: „Ich hoffe Sie sorgen dafür, dass das Konsequenzen hat.“ „Maxwell Warren ist einer unserer besten Schüler. Ich werde mich hüten so einen jungen Mann von der Schule zu werfen“, entgegnete Allana gelassen. Die Bürgermeisterin drehte sich um, ihre Fassade war nun nicht mehr nötig und in ihren Augen stand der Hass: „Vergessen Sie nicht wer dafür verantwortlich ist, dass das Legat ihnen Hilfe zugesichert hat. Dieser Junge hat mich gedemütigt und ich bin nicht jemand der sich so etwas gefallen läßt. Tun Sie was ich Ihnen sage oder sie stehen ganz schnell wieder alleine da.“ „Mir sind die Hände gebunden, Ms Priest. Max Warren ist bereits für ein Programm der Regierung vorgesehen, dass vom Legat geleitet wird.“ Doris Priest knurrte wütend, in diesem Moment sah die hagere Frau aus wie ein Ork aus Tolkiens Herr der Ringe den man in ein zweiteiliges Fünfhundertdollarkostüm gesteckt hatte: „Gut! Machen Sie doch was Sie wollen!“, mit diesen Worten schritt sie durch die Tür am anderen Ende und war weg. Innerlich lachte Allana: Es kann eben nicht alles nach deiner Nase laufen Schätzchen.
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Posted: Tue Feb 26, 2008 2:37 am
Remi, Jason und C.J. betraten den Klassenraum, der wie im Salem Institut üblich war nur für etwa zwanzig Schüler ausgelegt war. Man erhoffte sich dadurch höhere Ziele zu erreichen, da die Lehrer auf einzelne Studenten besser eingehen konnten, als wenn die Klassenräume so überfüllt wären wie die Vortragssäle in staatlichen Universitäten. Die Rechnung ging auf, denn das Salem Institut konnte es sich, dank seiner Erfolge und der daraus resultierenden Mittel, auch leisten mehr Dozenten zu beschäftigen und so die Klassen optimal zu teilen. Der Raum selbst war hell und ansprechend, wenn auch die klaren Formen der Einrichtung ein wenig kalt wirkten. Vorne, auf der Fensterseite befand sich ein Tisch für den Lehrer auf dem ein Computer stand, der aussah als würde es ihm an der neusten Technologie nicht mangeln. Zum Lehrertisch hin standen in vier Reihen jeweils drei Tische auf denen Zwei Personen Platz fanden. Die Tischplatten auf den Tischen der Schüler waren in zwei hälften geteilt, von denen Jede Hälfte allem Anschein Nach aus einer Arbeitsplatte bestand, die gleichzeitig ein Touchscreen-Computer war. Im vorderen Teil des von Neonröhren erhellten Raumes hing eine große elektronische Schultafel, im hinteren Teil war noch ein Schrank aufgestellt in dem die Schüler ihre Jacken aufhängen konnten. Einige Schüler saßen bereits in der Klasse, dennoch war die Stimmung gedrückt, denn bisher kannte man sich nicht. Ein Mädchen, das in der ersten Reihe gesessen hatte, stand auf als sie eintraten und lief ihnen fröhlich Lächelnd entgegen. Ihr Lächeln hatte was von dem eines Politikers. Ein bißchen wie Doris Priest, dachte Remi und verdrängte den Gedanken gleich wieder. Sie hatte dunkles Haar, das am Hinterkopf in zwei Zöpfe geteilt und sah ein wenig aus, als wäre sie von Ihrer Großmutter frisiert worden. „Hi, ich bin Lauren Pezzini. Nett euch kennenzulernen“, rief sie ihnen entgegen. Überrascht antworteten sie: „Jason Rubin.“ „Remi Leviathan“ Und C.J.: „Geh mir aus dem Weg!“ mit diesen Worten drängte er an ihr vorbei und setzte sich in die zweite Reihe. Sie sah ihm etwas verdutzt nach und drehte sich dann zu Remi um: „Ich dachte mir schon, dass du Remi Leviathan bist. Dann haben wir ja schon zwei Berühmtheiten in dieser Klasse. Sag mal wie machst du das mit deinen Haaren? Trägst du Kontaktlinsen? Bist du ne Art Punk oder so was?“ Remi war verwirrt: „Öhm eigentlich…“ Weiter kam er nicht denn es betraten schon die nächsten Schüler den Raum: „Merk dir was du sagen wolltest.“, und dann zu den anderen: „Hi, ich bin Lauren Pezzini. Nett euch kennenzulernen.“ „Lass uns bloß abhauen.“ Flüsterte Jason und ging ohne Umwege zur letzten Reihe wo er Platz nahm. Remi setzte sich neben ihn als er meinte: „Alter, die redet wie aufgezogen, das ist eine von denen die zum Jahrgangssprecher kandidiert bevor sie überhaupt aufgenommen wird. Von der hören wir noch.“ „Hoffentlich nicht zu viel.“, seufzte Remi. „Bin nur froh, dass ich nicht neben C.J. sitzen muss, der ist doch ein Pool an negativer Energie, verdammt.“, meinte Jason: „Oh, und sieh mal da. Das ist die zweite Berühmtheit in unserer Klasse.“ Er deutete mit dem Kopf hinüber zu einem asiatischen jungen Mann der am anderen Ende des Raumes über ein Buch gebeugt saß. Auffällig war das eigenartige Halsband, dass dieser trug. „Ist das nicht dieser Gedankenleser aus dem Fernsehen?“ „Ja, Akira Hikari, das Halsband, das seine Mutantenkräfte blockiert muss er im Unterricht tragen, damit er nicht bei Prüfungen betrügen kann. Hätte nicht gedacht, dass der sich für Naturwissenschaften interessiert. Ich persönlich finde seine Sendung tot langweilig.“ Inzwischen waren die meisten Plätze in der Klasse belegt, als zwei Personen den Raum betraten. Ein Mädchen und ein Junge, die beide Models hätten sein können. Sie hatte ihr langes Schwarzes Haar zusammengebunden. Die vordersten Strähnen hingen nicht in dem langen Pferdeschwanz und waren vollkommen weiß. Wie die meisten wirklich vollkommenen Menschen, schien sie sich ihrer Vollkommenheit nicht bewusst, denn sie wirkte schüchtern und verloren. Remi wurde bei Ihrem Anblick ein wenig heiß. Der Junge zu ihrer Rechten dagegen hätte selbstbewußter nicht auftreten können. Sein ganzes Kopfhaar war silbergrau und zu einem kurzen Pferdeschwanz gebunden. Er ging stolz und aufrecht als gehöre ihm die Welt und seine kalten grauen Augen zeigten keine Emotion. Irgendwoher kannte Remi ihn aber es wollte ihm nicht einfallen woher. Auch die Beiden wurden von Lauren begrüßt aber er ging einfach an ihr vorbei als würde sie nicht existieren. Das Mädchen blieb kurz stehen und stellte sich vor: „Eve Ambrose. Freut mich“, sagte sie und lächelte verlegen, dann folgte sie ihrem Begleiter und setzte sich neben ihn. Es war ein Jammer. Dieser Kerl sah aus wie der klassische Narzisst, und offenbar war dieses sanfte Wesen seine Freundin. „Was ist das für’n Arsch?“, meinte Jason der es wohl auch gemerkt hatte. Damit wurde das Thema auch vorerst fallen gelassen, denn wer als nächster den Raum betrat, schien der Lehrer zu sein. „Hi Leute!“, meinte er lächelnd: „Tut mir leid, dass ich mich etwas verspätet habe. Mein Name ist Professor William Ruiz, und ich wir werden uns in nächster Zeit wohl öfter sehen.“ Der überraschend junge Lehrer legte seine Aktentasche auf dem Tisch ab und meinte: „Also ich würde sagen wir starten den ersten Tag hier mit der Anwesenheitsliste und einer kleinen Vorstellungsrunde…“ In diesem Moment klopfte es an der Tür und ein rothaariges Mädchen betrat den Raum: „Verzeihung, mein Name ist Emilia Ashton, ich bin spät dran.“ „Kein Problem. such dir einen Platz.“ „Siehst du sie Remi?“ flüsterte Jason, dem die Augen rauszufallen drohten: „Ist das nicht die schönste Frau der Welt?“ Remi war sich nicht sicher was er antworten sollte: „Hübsch ist sie auf jeden Fall…“ „Ja das ist sie“, sagte Jason, dem das Herz zu platzen drohte als Emilia sich genau den Platz vor ihm nahm. „Verdammt Remi, ich fall ja so was von wieder durch, dieses Jahr. Wie soll ich mich bei den Aussichten konzentrieren?“, flüsterte Jason grinsend. „So, liebe Kinder.“, meinte Ruiz: „jetzt wo wir komplett zu sein scheinen können wir ja weiter im Programm fortfahren. Ich möchte euch heute nicht zu lang quälen“
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